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29.7.2010 : 16:46 : +0200

Beispielhaftes Musicaltheater - Producers im Admiralspalast Berlin

Nicht nur Cornelius Obonya und Andreas Bieber hören nicht mehr auf, sich zu freuen. Auch die Wiener Musicalintendantin Kathrin Zechner mit ihren Helfern im Hintergrund und Falk Walter vom Admiralspalast Berlin strahlen um die Wette. Denn die Vereinigten Bühnen Wien feierten mit der deutschen Erstaufführung von 'The Producers' in Berlin ihr erstes Deutschlandgastspiel.
Unsere Rezension zur Deutschlandpremiere in Berlin lesen Sie hier.

Das Positive überwog - Jekyll & Hyde im Opernhaus Magdeburg

Ein wirkliches Experiment war die Neuinszenierung von 'Jekyll & Hyde' in Magdeburg nicht, aber die Chemie stimmte. Das Opernhaus unter der Intendanz von Tobias Wellemeyer war sehr gut aufgestellt mit seinen exzellenten Hauptdarstellern, die zum einen Gäste waren und zum anderen aus dem festen Ensemble des Hauses stammten. Dazu kamen ein fabelhafter Opernchor, Ballett sowie Orchester und das musicalerfahrene Regieteam um Andreas Gergen und Christian Struppeck, die gerade erst Frank Wildhorns 'Der Graf von Monte Christo' inszenierten.
Unsere Rezension zur Premiere in Magdeburg lesen Sie hier.

Irritation und Faszination im 'Cabaret der Verlorenen Seelen'

Wenn das Musical beginnt, verwirrt es zunächst weiter. Im Opening werden die Zuschauer gewarnt zu bleiben, sie sollen lieber den Raum ver- und sich das Geld zurück geben lassen. Das alles ist irritierend, zugleich aber viel stärker vor allem faszinierend. Und das bleibt die ganze Vorstellung so! Ein merkwürdiges Stück wird hier etabliert, wobei die Betonung auf "würdig" und auf "merken" liegt!
Unseren Gesamteindruck lesen Sie hier.

'Cyrano de Bergerac' auf der Clingenburg – eine romantische Tragikkomödie an malerischem Ort

1975 wurde 'Cyrano de Bergerac' nach Edmond Rostands Theaterstück über eine romantische Liebe im 17. Jahrhundert erstmals präsentiert. Schon damals überzeugte das Musical von Wolfgang Adenberg und Marc Schubring das saarländische Publikum. Es war der neue Intendant der Clingenburg Festspiele, Marcel Krohn, der den Wunsch äußerte, 'Cyrano de Bergerac' aufzuführen und damit eine kleine Uraufführung anregte, die am 2. Juli 2009 auf der Clingenburg gefeiert wurde.
Unsere Rezension zur Premiere auf der Clingenburg lesen Sie hier.

Junge und Mädchen treffen auf High Society - das schwesterliche Musical

Auch die Besetzung ist als außerordentlich gut zu bezeichnen. Allen voran Jens Janke als Musicalkomödiant und Spielmacher 'Bill Snibson' und Caroline Soyka als taffe und Herzen erwärmende 'Sally Smith'. Beide sind zusammen ein kongeniales Paar, das keine Wünsche offen lässt und selbst unterm Laternenpfahl großes Musical zu bieten hat. Dazu singen, steppen und tanzen Bill und Sally sich so natürlich und witzig durch die ihnen merkwürdig begegnende High Society. Jens Janke bezaubert facettenreich im Spiel und trifft den zügig scharfen Plauderton, den dieses Musical verlangt. Er platziert Gags, ohne diese und sich dabei in den Vordergrund zu stellen, und wirkt damit sehr präsent in Bills Familiengeschichte. Er und seine Sally, Caroline Soyka, lassen ihre Wort- oder Steppgefechte zu Glanzpunkten werden. Ein außergewöhnliches Erfolgspaar.
Unseren Eindruck von der gesamten Aufführung finden Sie hier.

Bewegendes dramatisches Musik-Theater

Nahezu drei Stunden lang erlebte das Publikum der Europapremiere von 'Marie Antoinette' am 30. Januar 2009 mitreißendes dramatisches Musik-Theater. Anhand einer wunderbar erzählten tragischen Beziehungsgeschichte zweier Frauen, die nicht nur die Initialen "MA" vereint, wurde Geschichte lebendig. Sie berührt durch die dramatischen, doch leicht ins Ohr gehenden, Melodien Sylvester Levays und die treffenden Lied- und Dialogtexte Michael Kunzes, die häufig durch ein sprachliches Bild oder einen kenntnisreichen Spruch die Situation auf den Punkt bringen. In der großartigen Inszenierung von Tamiya Kuriyama bespielt ein zugleich stimmlich und schauspielerisch sehr starkes Ensemble die Bühne und erweckt die historischen Charaktere und menschlichen Schicksale zum Leben.
Unsere ausführliche Rezension zur Uraufführung in Bremen lesen Sie hier.

'We Will Rock You' in Stuttgart

Das Apollo-Theater in Stuttgart ist 1994 entstanden, verströmt aber im Inneren einen Hauch von K.u.K. Zweistöckig aufgebaut ist das 1.800 Menschen fassende Auditorium mit Balkonen und Säulen verziert. Hier könnte auch die klassische Fassung von Aida gespielt werden. Passt ein modernes Rock-Musical, das in einer unbekannten Zukunft spielt in dieses Ambiente?
Unsere Eindrücke von der Queen-Show im Schwäbischen lesen Sie hier.

"Nur" Perfektion und exzellente Unterhaltung

Das Ganze ist so vergnüglich gemacht und ein Loblied auf bombastische Broadwayshows mit Kompositionen, die immer wieder die große Musicalrevue ermöglichen. Komponist und Autor Mel Brooks ersann, basierend auf seinem Filmdrehbuch von 1967, ein "oldfashioned" aufgebautes und gemachtes Musical mit Soli, Duetten, Sprechszenen, Untermalungsmusiken und Revuetreppen. Respektlos, provokant und eine Verneigung vor den Musicalfilmen der 1940er Jahre - diese Glorifizierung der alten Zeiten wurde bemerkenswerterweise 2002 ein mit 12 Tonys ausgezeichneter Hit in New York.
Unsere Rezension zu der perfekten Show lesen Sie hier.

Der Kampf des Jahrhunderts auf der (Tri)bue(h)ne

Die tribuene Berlin lud am 4. Oktober 2008 sport- und musicalbegeisterte Zuschauer zur Welturaufführung 'Der Kampf des Jahrhunderts'. Das Stück basiert auf den beiden legendären Boxkämpfen von Max Schmeling und Joe Louis von 1936 und 1938. Um in der Fachsprache zu bleiben: eindeutiger Punktsieg nach dem zweiten Akt. Das Musical von Paul Graham Brown und James Edward Lyons zeigt die Ent- und Verwicklungen der beiden Ausnahmesportler, wie sie manipuliert wurden, sich missbrauchen ließen und ihren Nutzen daraus zogen. Es bezieht dabei Stellung, stellt bissig brisante Fragen und überrascht immer wieder mit unerwarteten Wendungen.
Unsere Rezension zur Welturaufführung im Ring finden Sie hier.

Es geht ums Leben

Anfangs gab es von 'Chess' nur ein Konzeptalbum mit den Texten von Tim Rice und der Musik des Komponistenduos Benny Andersson und Björn Ulveaus. Unter der Regie von Trevor Nunn wurde die erste szenische Inszenierung 1986 in London ein großer Erfolg. In Amerika floppte das Stück 1988 am Broadway, nachdem es umgeschrieben und extrem in die Länge gezogen worden war. Nach der Deutschlandpremiere in Baden-Baden (2000) gab es einige beachtete Inszenierungen an Stadttheatern. Diese beweisen offensichtlich mehr Mut als die Musical Theater. Am 13. September 2008 feierte Essen die deutsch / englische Premiere von 'Chess' im Aalto Theater.
Unsere Rezension lesen Sie hier.

Verführung zum Tod - ein Frauenschicksal vor historischem Hintergrund

Die Berliner Inszenierung arbeitet stark mit aussagekräftigen Symbolen und geht hierbei sogar noch weiter als die Urinzenierung. In Berlin sehen wir nicht nur die großen Hinweise auf den Untergang des Habsburgerreiches, sondern auch innerhalb der einzelnen Szenen findet sich Vanitassymbolik. Bevor der Kaiser Franz-Joseph Elisabeth kennenlernt, erlegt er einen Rehbock. Doch dieser ist bereits tot und hängt als Trophäe an der Wand. Die Schatten des Totenreiches tragen geisterartige Gewänder. Ebensolche werden dem jungen Hochzeitspaar Kaiser Franz-Joseph und Kaiserin Elisabeth angezogen. Und aus dem Spiegel, den Luigi Lucheni Elisabeth in Wien vor Augen hielt, wird in Berlin eine Spiegelscherbe, die kaum noch von Nutzen ist. Neben diesen Symbolen stehen die historischen Anzeichen des Untergangs in Gestalt des Nationalismus und Antisemitismus, der in der zu Anfang genannten Szene gesteigert zum Ausdruck kommt. Zunächst demonstriert eine Gruppe junger Leute ihre Unzufriedenheit mit dem System. Im zweiten Durchlauf auf der Drehbühne, sind es Nationalisten, Anhänger von Georg Heinrich von Schönerer, die einen Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich propagieren und antisemitische Parolen im Mund führen. Am Ende schlagen drei politische Agitatoren einen Juden nieder. Im letzten Durchlauf tragen die Protagonisten eine Art Hakenkreuz auf den Armbinden und bekennen sich zum Nationalsozialismus. Die Szene 'Hass' mit ihrem provokanten Ausblick gehört bereits seit der Urinszenierung zum Stück. Berlin zeigt sie nach Kürzung in der Essener Fassung wieder in voller Länge.
Unsere ausführliche Rezension der Berliner Premiere lesen Sie hier.